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Sabine Imhof, die leeren flächen

in adressierten häusern sterben
an kürzlich geretteten zähnen
der zirkus mit dem dicken fell
bleibt nur eine einzige nacht
in diesem ort zwischen orten
wohne ich als handschuh
neben dem normalen mann
der sogar das wetter bewacht
beleidigt wie ein satter riese
unter dem günstigsten regen des jahres

wie hundert stiefel auf meinem kopf
in bester verfassung
und schlechter auflösung
ist licht nur noch betrunkene insekten
und ein bisschen tröstliche mathematik
(was waren wir für nieten)
aber echte körper minus die einbildung
sind berühmte letzte worte
ohne ausweis wird niemand gerettet
sagt einer mit schnauz und schwarzem humor.

straße ohne namen

der kleine lebte für das geräusch
abfahrender züge
im tunnel eines frisch gewaschenen
lieblingspullovers
hielt er sich beweise an die wange
trug fahrpläne vor sich her
von der verbotenen tür durch die stimmen
bis in die küche der gezählten erbsen
mutter pflückt sie aus dem grünen schoß
und für jeden erträumten fehlgriff
schob man die haut unter die fingernägel
seltsames kind und ließ es
an den wänden tanzen, nachts.

vom dableiben

er baut jetzt häuser aus dem kopf
hängt leere kleiderbügel auf
bis in den winter hinein
gab er ihnen namen von verlorenen morden

strich sich den staub von der schulter
und sprach kein wort ohne verlust
fand man lauter linke socken
wem sie passten wurde neu erzogen

und jeder durfte einmal darauf spucken
bis es finderlöhne für berührungen gab
führte köpfe an der leine
zog halbe kontinente hinter sich her

schwimmende möbel in seiner hand
wartende helden
auge um auge schloss sich sein gesicht
eine weitere nacht verspielte ihren traum.


in: spa_tien - heft 1