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Markus A. Hediger, Maschinen

I
Die Figur der Heiligen, unkenntlich gemacht durch herausfallende Kabel und angeschraubte Platten, stand nach wie vor an ihrem Platz auf dem Altar. Dass der technologische Fortschritt auch vor der Kirche nicht Halt machen würde, war den Diakonen in langen und zähen Sitzungen mit dem jungen Pfarrer klargeworden. Proaktiv hatte man einer Verwanzung der Heiligen zugestimmt. Die Kirchgänger, Neuerungen gegenüber skeptisch eingestellt, gingen dazu über, ihre Bittgebete vor der Heiligen nicht mehr zu sprechen, sondern diese zu Hause schon auf kleine Zettel zu schreiben und sie in der Kirche dann ihr um die Kabel zu wickeln oder mit kleinen Magneten an das neue Metallkleid zu heften.



II
Anträge auf eine Affäre wurden im Departement für Soziales der Stadtverwaltung eingereicht. Im Formular war detailliert anzugeben, welche Vorzüge sie einer versteckten Liebe abzugewinnen gedachten. Das Formular erhielt einen Stempel und das Visum des Bürgermeisters. Hiermit bewehrt hatte sich das Paar zu später Stunde im Lesesaal der Stadtbibliothek einzufinden. In der Mitte des Raumes stand ein Tisch, darauf eine zerlegte Apparatur. Das Paar wurde aufgefordert, sich ganz wie zu Hause zu fühlen. Das städtische Expertenteam trat heran, reckte die Hälse, beobachtete und machte Notizen. Es wurde getuschelt. Gelegentlich hielt man den Atem an. Vor Anbruch des Morgens zogen sich die Experten zurück. Auf dem Postweg wurde den Liebhabern im Laufe der nächsten Tage die offizielle Bewilligung zugestellt. Auf einem Beiblatt fanden sich von Experten ausgearbeitete Tipps zur Geheimhaltung der verbotenen Liebe.



III
Der Strafvollzug war grausam. In die Zelle drang kein Tageslicht, die nackte Deckenbeleuchtung spendete nur schwaches Dämmerlicht. In jeder Zelle befanden sich ein Abort und zwei Pritschen. Eine der beiden wurde dem Zuchthäusler zugewiesen, auf die andere ein Eisenobjekt gelegt, das mit kalten Gelenken versehen war. Für wenige Minuten liess sich damit spielen, der Reiz an diesem Gegenstand verflog aber, sobald der Gefangene bemerkte, dass das Gelenk auf Berührung nicht reagierte. Durch die Gefängnismauern drang der Lärm von Wellen, Strand und Kindern, woran der Häftling den Tag von der Nacht zu unterscheiden lernte. Blieb es lange Zeit ruhig, erschloss sich ihm daraus eine Verschlechterung des Wetters. Die Stille, die mit dem Regen kam, empfand er als wohltuend. Er imitierte die Stellung des Eisens neben ihm, schlief ein und wurde von Alpträumen geplagt.



IV
Der Dachverband der staatlich akkreditierten Schriftsteller hatte eine Verordnung herausgegeben, die den Umgang mit dem Wort strengen Regeln unterwarf. Schwebte dem Dichter die Idee für einen Text vor, hatte er einen Antrag zu stellen, worin er die Worte, die er darin zu verwenden plante, spezifizierte. Daraufhin wurde ihm ein Paket mit den beantragten Mikrobots zugesandt, die der Dichter so lange in der Luft zu halten hatte, bis diese vor Erschöpfung auf den Boden fielen und ihre Bedeutung freigaben.


in: spa_tien - heft 2