zurück

Florian Seidel, Gedichte

Atlas der Datenschatten, Trojaner
und Infektionen


Die künstlichen Tiere lieblich
in hängende Gärten kopiert: Eidechsen und Vögel
Das Licht, als glühte die Erde,
bestrahlt von zwei Monden.

Keiner, der den Anfang verschiebt
mit einem weiteren Satz.
Da hast du sie nun
deine Gelegenheit zum Aufwachen.

Du hast Angst.
Ich weiss es,
aus der Katzensicht
meiner sieben Leben.

Fürchte dich nicht.
Die Ratten sind gefüttert, der Käfig ist geputzt.
Also los. Ein letzter Schluck und ab in die Hügel,
Angesteckt von einem Leben.

Ein Spiel bestimmt den kosmischen Raum.
Du, das Kind der Kameras, Lichtschranken und Datenleser.
Und ich dein trojanisches Pferd im Datengarten.
Ich dichte dir Geschichten an.

Mein Herz ist rein.
Deine Eidechsen können nichts sehen,
auch die Virensucher nicht.
Du gehörst dir nicht. Keine, die du sein willst.

Deine Vögel fliegen tiefer,
können aber nichts finden. Du versteckst dich!
Du löschst mich nicht.
Sag das deinen Eidechsen und Virenscannern.

Ich dichte dir Geschichten an;
Kind der Kameras und Datenleser.
Mein Herz ist rein. Hundert Punkte
und nur die befreite Farbe verglüht.



Cortina

I.

Wir sehnen uns satt. Wir bleiben hungrig.

Du machst mich schön. Du verschenkst dich nie.
Du spielst mir nichts, verletzlich und warm.

Wer sich hingibt hat verloren.
Und wir trinken vom Blut unserer Herzen und trinken nicht.

Ich wünsche dir Liebe. Alle zündest du an und gehst.
Du fliehst den Schmerz. Kind, das die Welt in Ordnung tanzt.

So lieben wir zwischen immer und nie.


II.

Wir teilen den Schmerz und das Licht.
Wir führen uns blind vom Salz deiner Lippen,

Wir berühren uns nicht und verbrennen.
Wir führen uns blind durch verbotene Gärten.

Unsere Schatten werden noch dort sein und sich lieben
wenn uns längst schon Sonnen und Sterne verwarfen.


III.

Auch wenn für mich in der Arche kein Platz war.
Ich versteck dir einen Kuss unter dem Herzen
und eine Hand im Haar für die sieben mageren Jahre.

Wir machen die Versprechen der Liebe wahr.
Staub und Flügel für deinen kranken Wirbel,
mehr haben wir nicht. Wir verbrennen.

Du überlebst mit einem Lächeln. Dir werden Leben geschenkt,
das macht es dir leicht. Die leichten Leben der Flüchtigen.
Aber ich errate dich von neuem in jeder deiner Wiedergeburten


IV.

Sieben Nächte weiter wartet mein Herz,
das dir die Sterne verrückt und den Himmel verstellt.

Wir trinken Tränen, wir trinken Licht.
Die Liebe hinterlässt auf mir deinen Schatten.

Dein Blut lässt mich leuchten.
Aber kein Glück gelingt mir. Ich töte was ich liebe.


V.

Wehrlos schlägt mein Herz verzweifelt tief in dir.
Wir haben genug verschwendet.

Warm liegt mein Traum vertraut an deinem.
Wie mein Körper warm an deinem liegt.

Vertrau der Nacht ein letztes Mal, vertrau ihr,
um nicht doch leben zu müssen. Noch haben wir Angst.

Wir sind uns verboten. Wir üben verwunschen
die Wiedergeburt. Üben zum höchsten Preis.

in: spa_tien - heft 3