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Eva Roman, Am Ende

Ich habe den toten Vogel zu spät entdeckt, ich hätte sonst das Rad herumgerissen, dann kam Post, aber sie war nicht von dir. Seitdem täuscht der Himmel mit dem kräftigsten Blau über die Kälte hinweg, zwischen den Gerippen winken noch rauschende Goldbäume, schwer wird es für sie sein uns zu erinnern, an das flatternde Grün, dass uns vor der Sonne schützte.
Nichts anderes umgibt mich stärker als die zwei Sekunden Stille und der Lichtfleck, gegenüber, an der vergrauten Brandschutzmauer. Jetzt bist Du versucht zu fragen, worum es geht, das aber war die Antwort, darum ging es, darum geht es.
Du kannst dir kein Jahr mehr vorstellen, bis kurz vor Ende, wenn die bunten Plastikvögel auf dem Christbaum ohne dich leuchten und du weisst, das war es, es war dein Jahr. Später wird jemand einen grossen Berg Erde von einer Seite auf die andere schaufeln, du wirst denken, wie einfach, dieses klare Blau, er aber begreift anders als du, du im Warmen, du, deren Jahr immer plötzlicher endet, als das der Anderen. Besser du gehst kein Risiko mehr ein, ausser dies eine, das du mit allen teilst.
Ich traf dich an der Mauer, neben dem halb abgetragenen Erdhaufen unter dem Goldbaum, ich dachte an das Knacken des zarten Vogelgerippes, daran, dass Post kam, die nicht von dir war und weiter, dass es enden würde.
Wir beschlossen, den Rest unserer Liebe unter uns aufzuteilen. Du schliefst ein, noch immer im Warmen. Es änderte sich mit dem Winkel der Spiegelung, die den Sonnenfleck die Mauer verlassen machte. Hinter dir dieses Leuchten, dass ich nicht festhalten konnte. Ich nahm deine Hand, ich fühlte mein Loslassen. Ich sagte dir, dass du mit dem Jahr gehen würdest, dir, die nicht weiss, dass Jahre plötzlich enden.
Ich wünschte dein Blick wäre stark genug gewesen, dir durch die Baumkronen den Himmel zu zeigen, du würdest besser verstehen, dass es unmöglich ist, zu bleiben.
Wenn Post kommt, weiss ich, sie ist nicht von dir. Es war im Sommergrün, als ich das erstemal die Fratze sah, die ich für einen flirrenden Luftvogel hielt, geschaffen aus der Hitze. Ich wünschte du hättest mir jenen Moment, den mein Luftgebilde vor mir versteckte, zeigen können, jetzt, da er in sich unsere wolkenblaue Zeit trägt, von der ich meistens und du niemals wusstest, dass sie so plötzlich enden würde.

in: spa_tien - heft 3