EDITORIAL
Zu diesem Heft
Schlecht ist es um ein Werk bestellt, verlangt es nach einem Vorwort, das es erklärt, und schlecht um das Vorwort, will es dieses leisten. Einigen wir uns also darauf, dieses hier nicht als Vorwort anzusehen, sondern einfach als einen Hinweis oder eine Warnung, so wie jene letzte Nachricht, die der Reisende, bereits in der Tür, die Augen gen Horizont gerichtet, dem Versorger seiner Blumen hinterlässt. (José Saramago)
Das Editorial einer Literaturzeitschrift ist im Grunde so überflüssig wie das Vorwort zu einem guten Roman. Was zu sagen ist, wird im Romantext gesagt, eine Einleitung erübrigt sich. Es sei denn, der Roman ist schlecht: Da braucht es die Einleitung, die den Leser auf die Lektüre vorbereitet.
Ich bin ausserordentlich glücklich über die Texte der nun vorliegenden ersten Ausgabe von “Spatien”. Ihre Qualität befreit mich von der leidigen Aufgabe, sie einzuleiten und daran zu scheitern.
Das Thema “Räume” drängt sich für die erste Nummer einer Literaturzeitschrift naturgemäss auf, denn in ihr wird der Raum abgesteckt, den sie in Zukunft für sich beanspruchen will, Türen zu den von verschiedensten Schreibweisen geschaffenen Imaginationsräumen werden in ihr aufgestossen.
Alle hier publizierten Texte haben das Thema “Räume” zu ihrem Gegenstand gemacht. Die ursprünglich geplante Aufteilung der Zeitschrift in einen themennahen und einen anderen, themenungebundenen Teil wird in dieser Nummer somit hinfällig.
Wer mag, lese die Texte daraufhin, die Raumbegriffe oder räumlichen Konzepte auszumachen, auf die sie sich beziehen oder beziehen lassen:
was hier steht setzt sich
nicht aus Wörtern und Sätzen
zusammen damit
sich daraus irgend ein Sinn
ergäbe später
wenn dieser Text endet und
ich den leeren Raum
noch einmal überblicke
den er jetzt ausfüllt1
Ein besonderer Dank geht an Arne Vogelgesang für die redaktionelle Mitarbeit an diesem ersten Heft.
Ich wünsche Ihnen im Namen der Redaktion viel Freude bei der Lektüre von “Spatien”!
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1Franz Dodel, Z.7569-7577 aus “Nicht bei Trost: A never ending Haiku"