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Bertram Reinecke, Übersetzungen

Do not go gentle (Dylan Thomas)

DU GEH NICHT sanft in diese gute Nacht
brenn, tobe Alter, eh der Tag zerfließt
entzünde Zorn wenn stirbt die helle Pracht

Der Weise weiß, ins Dunkel einst gebracht
daß auch sein Donnerwort kein Licht dreingießt
er geht nicht sanft in diese gute Nacht

Wer gut ist schreit, die letzte Woge kracht
und glänzt und tanzt, wie sie ins Wehr einschießt
entzündet Zorn wenn stirbt die helle Pracht

Der Wilde singt dem Tag der fliehend lacht
begrämt zu spät, das Ende seiner Frist
er geht nicht sanft in diese gute Nacht

Der Greis vom nahen Tod geblendet wacht
auf mit Kometenaugen, eh er schließt
entzündet Zorn, wenn stirbt die helle Pracht

Und Vater Du in düstrer Höhe, ach
daß Fluch Du, Segen nicht, nicht mein vergißt
Du geh nicht sanft in diese gute Nacht
entzünde Zorn wenn stirbt die helle Pracht.



Das zweite Sonett. (William Shakespeare)

Belagern vierzig Winter deine Stirn
Und werfen Wälle auf der Schönheit Feld
Dann wird des Jugendrocks bestaunter Zwirn
Wie fasrig Garn sein, feil für wenig Geld

Wirst du nach deiner Schönheit dann gefragt
Wo du verborgen hältst den Jugendschatz
Und sagst, daß er aus tiefen Augen ragt
Ist das ein schändlich Lob und fehl am Platz

Denn wüchse nicht der Schönheit Kapital
Könntst du erwidern: „Dieses edle Kind
Bezahlt des Alters Wechsel mir einmal
Weil es einst erbt, was meine Reize sind“

So schaffst du neues, wirst du selbst auch alt
Siehst dein Blut warm, fühlst dus bei dir schon kalt.

in: spa_tien - heft 3