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Benjamin Stein, fremder gast

ich bin es noch immer
im fragenmantel
mein verlorenes land
im rücken
hat das suchen kein ende

die uhren vermessen beständig
und ohne zorn
die spannen
zwischen abschied und wiederkehr
mustert der stundenwächter
zufrieden
die riegel am herzbau

ich bin es noch immer
hinter begonientöpfen
webt die spinne ihr netz
in meinem mund


entdeckungen an einer frau

für ksk

jetzt hast du dein geheimnis
abgestreift wie ein verschlissnes kleid
der schneider eilt
er hebt den arm
ein neues anzumessen
ihm fehlt das garn
die nackte stirn
mit schleiern zu verhängen
die nadel sticht
ihn nur ins eigne hirn
wenn er die hände nicht
von seinen augen reisst

so muss er schweigen gehn
und schauen
staunen


die früheren frauen

in die blutkammer
neben die mutter gehängt
sind die früheren frauen nicht tot
ihr schweigen durchdringt
die wände des hauses
und sie klopfen noch immer
mit kühlen händen
in den rhythmus der tage hinein
manche stunde
gerät ins wanken
wenn das licht
günstig steht in einem
ihrer ab-
wesenden augen


Die Anker lichten

Die Anker lichten
in fremden Häfen
die Schiffe
und kehren heim.

An entlegenen Quais
wird die Fracht gelöscht,
die Gespenster ausgetrieben.

Der Seelenkarzer
liegt ratlos auf Reede.
Auf der Brücke
stolpern die Uhren.


Was zählt

Wie lange willst du noch laufen
an der kurzen Leine der Kindheit,
im Gepäck die wohlgemeinten
Redensarten der Hexen und Trolle:
Gedankenfilz und allerlei Unrat
aus fremden Häusern.

Bahnhöfe gibt es,
die musst du verlassen,
bevor der Wartesaal
in dir Wurzeln schlägt
und der Horizont
sich zum Tunnel verengt.

Wir wissen ja nicht, was wahr ist,
sagst du. Wir können nur sagen,
was zählt.


in: spa_tien - heft 4