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    <title type="text">spa_tien - zeitschrift für literatur</title>
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    <updated>2008-01-09T07:23:12Z</updated>
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      <title>BILDER ZU DIESEM HEFT</title>
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      <published>2007-07-07T13:19:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T13:21:29Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
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        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        von Thomas Blaser<br />
<br />
<small>v.o.n.u: deine Kleider, deine Hose, deine Schuhe, dein Stoff / deine Tasche, zukünftiges Kleid (auch Cover)</small><br />
<br />
<center><br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/blaser1.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br /><br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/blaser2.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br /><br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/blaser3.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br /><br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/blaser4.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br /><br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/blaser5.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br /><br />
</center><br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>zu den autorinnen und autoren</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/zu_den_autorinnen_und_autoren2/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.68</id>
      <published>2007-07-06T07:37:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T13:08:32Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
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        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        informationen zu den autorInnen im <a href="http://www.spatien.net/images/uploads/spatien4.pdf" target="_blank" onClick="javascript:urchinTracker ('/downloads/heft4'); "><b>pdf</b></a> <image src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/acrobat.gif"><br><br> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Hartmut Abendschein, Mein letzter Kranz</title>
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      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.67</id>
      <published>2007-07-06T03:30:00Z</published>
      <updated>2007-07-10T18:21:30Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
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        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        (Sonettenkranz)<br />
<br />
<div align="left">*neokonservatives mitspracherecht* <br />
<br />
zerstreut in einer vielzahl möglicher benehmen <br />
bereust du stets den mangel an gestalt <br />
dass etwas sei, das frieden gibt & halt <br />
ein sitz, ein ort, dein leben zu bequemen <br />
<br />
gebiet & grenze werden nicht zu themen <br />
ein altes lebensbeispiel lässt dich kalt <br />
in ferner zukunft & schon gar nicht bald <br />
gedenkst du nicht, ein anderes leben dir zu nehmen <br />
<br />
doch immer bist du auf der suche <br />
neue gedanken findest du in manchem buche <br />
& hie & da in einer zeitgeistschrift <br />
<br />
wenn dann ein wort ein andres gegentrifft <br />
vermutest du ideen rückschrittlicher stufe <br />
ganz gleich, ob wundermittel, wasser oder gift <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*romantischer gegenentwurf* <br />
<br />
ganz gleich, ob wundermittel, wasser oder gift <br />
bedenke ich dagegen stets das neue <br />
& diesem wollen haltend auch die treue <br />
spreche ich offen, greife heimlich nicht zum stift <br />
<br />
nehm ich in kauf die eine wie auch andre pflicht <br />
verstrick ich mich in lauterem getäue <br />
ein dichtes ding ich nicht zu freuen scheue <br />
ist zweifel, ausdruck eher noch als drift <br />
<br />
ins unvernommne zu verschwinden <br />
kann ich mit dieser haltung überwinden <br />
bin ich ganz sicher nicht ein einzelfall <br />
<br />
nur keine forderung scheint mir zu schlicht <br />
alles zu wollen, nämlich, überall <br />
predige ich wein & lache gleichsam den verzicht <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*unparteiisches staunen* <br />
<br />
predige ich wein & lache gleichsam den verzicht <br />
so windig schäumt nur deine unterstellung <br />
auf beiden seiten mangelt nämlich die erhellung <br />
stellt sich nicht hinten an & wartet nicht <br />
<br />
hielte ein dritter über uns gericht <br />
notierte er manch ungereimte achtung <br />
für jeweils andrer seite schnellbetrachtung <br />
die not & kälte mancherzeit besticht <br />
<br />
nichts lässt ihn länger dann verweilen <br />
lässt uns zurück & punkte teilen <br />
zuckt nur die achseln er & wirft sich fort <br />
<br />
zurück zum ich will dennoch ich mich sehnen <br />
& bleibe wo ich bin, an keinem ort <br />
denn ich will alle sichtungen der welt entlehnen <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*standpunkte – bewegungen* <br />
<br />
denn ich will alle sichtungen der welt entlehnen <br />
spiegelt der blick zurück die flucht nach vorn <br />
doch keinen grund seh ich zur sicht im zorn <br />
& im vergeltungstrieb mein recht zu sehnen <br />
<br />
im stillstand fängt mein ort an sich zu dehnen <br />
wächst aus dem stachel noch ein kleiner dorn <br />
bleibt doch die flucht zurück, der blick nach vorn <br />
zur wiederholung eingefleischter szenen <br />
<br />
wär ich doch ausser mir & könnte starren <br />
& weitres tun als vertikal zu harren <br />
& über meinem halse stehn <br />
<br />
auch in die erde drückt mich mein verlangen <br />
& auch mein kopf will unterirdisch gehn <br />
allein mein körper hält mich hier gefangen <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*erste eindrücke* <br />
<br />
allein mein körper hält mich hier gefangen <br />
& will doch einmal seinen anfang sehn <br />
von stunde null an oder monat zehn <br />
dem roten faden einmal nachgegangen <br />
<br />
frühe gespenster unverhängt verhangen <br />
bedrängten selten, wurden übersehn <br />
wahr & als wahrnehmender zu bestehn <br />
galt nur ganz selten etwas & in kleineren belangen <br />
<br />
das zu bekommen, was ich eben wollte <br />
& das zu lassen, was man unterlassen sollte <br />
war weder sehr gewöhnlich noch abnorm <br />
<br />
erst später paarten sich manien mit manieren <br />
& ich – d. h. die andren - auf der sucht nach meiner form <br />
um vielfach mehrheitlich zu initialisieren <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*schwellenängste* <br />
<br />
um vielfach mehrheitlich zu initialisieren <br />
bestimmt ein unsichtbares mass durchschnittlichkeit <br />
im nachhinein ist eine wertung dieser zeit <br />
wie ein im-rechten-masse perturbieren <br />
<br />
goldfroh erinnerung darüber zu verlieren <br />
blieben doch reste grosser haftbarkeit <br />
z.b.: traumhalluzinierte erste zweisamkeit <br />
kann nicht mehr ihren namen buchstabieren <br />
<br />
vergessen auch gelegentliches & gelage <br />
wo gehst du hin? & wie war doch die frage? <br />
& all die sachen ohne herz & mut <br />
<br />
waren effekt von allem ausprobieren <br />
an schein & sein, vermeintlich schön & gut <br />
ins körperferne mich zu phantasieren <br />
 <br />
 <br />
  <br />
*dementieren* <br />
<br />
ins körperferne mich zu phantasieren <br />
ein privileg, romantisch adoleszentriert <br />
endet gewöhnlich hilflos, grausam etabliert <br />
& es beginnt mein gegenbild zu kandidieren <br />
<br />
das, was ich meinte mit „manieren" <br />
holte auch mich ein, überholte, heimlich triumphiert <br />
der den verlauf schon lange hatte proklamiert <br />
will nun banal bewusster überstrapazieren <br />
<br />
ich gebe zu, sind ein'ge spitzen stumpf geworden <br />
& viele reichen nicht mehr aus zum morden <br />
wohl aber zeugen sie nervosität <br />
<br />
doch bei den gegenzeichen angefangen <br />
unter- & überschätzung kleinrer qualität <br />
geb' ich gelassen mich & unbefangen <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*erzeugerentsorgung* <br />
<br />
geb' ich gelassen mich & unbefangen <br />
vergess ich eines nicht & das seid ihr <br />
erzeugersorgen zwischen mangeltrieb & gier <br />
verträumte euer selbstversäumtes mich zu fangen <br />
<br />
versäumtes selbstverträumtes zu-sich-selbst-gelangen <br />
stattdessen injektionen durch ein projektionsklistier <br />
ein lösen, löschen, lassen eigener manier <br />
von mir dies umzusetzen scheiterte als unterfangen <br />
<br />
substrukturelle kämpfe altgriechischer grösse <br />
moderne analysen unbewusster blösse <br />
für mich erst lachhaft, bleiben doch nicht ignoriert <br />
<br />
man sagt, so funktioniert das leben eben <br />
wie dir, so ist es vielen schon passiert <br />
doch nicht zu spät sei`s für ein andres überleben <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*beziehungswaise* <br />
<br />
doch nicht zu spät sei`s für ein andres überleben <br />
ein muster alter freundeskreise <br />
wird hochgehalten, diene zum beweise <br />
für wohlgeformtes & gelungnes weben <br />
<br />
ein paarsein könnte beispiel geben <br />
nicht zu verachtender verbindungsweise <br />
ein windhauch reicht, ich lache leise <br />
um diese wieder aufzuheben <br />
<br />
hemmt skepsis mich vor enger bindung <br />
bezugsbezüglich & der wahrheitsfindung <br />
& unbesprochner dinge wegen <br />
<br />
so stell ich denn modelle neben- <br />
einander, ohne eignes zuzulegen <br />
ob ich's gesehen hab in meinem streben? <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*arbeit macht sinn* <br />
<br />
ob ich's gesehen hab in meinem streben? <br />
ein stetig neues, angemessen & mich zu vertreten <br />
& stellvertretend mich in einer späten <br />
passion & pflichtigkeit in einem auszuleben <br />
<br />
allein die arbeit handlungslauernder epheben <br />
& deren zielsortierung, eifrigstes verwandelbeten <br />
grundlagenloses & verspanntes wurzeljäten <br />
greift mir zu kurz, unfähig jenen mangel zu beheben <br />
<br />
eine begründung hierfür hat sich schnell erdacht <br />
ist multiplikation nur mengenmäss`ge wirkungsmacht <br />
anstiftend doch den sinnverbrauch <br />
<br />
vermehrt sich zeitzins dieses arbeitslustgewinns <br />
stellt es kein mehrwerk da & somit auch <br />
das gegenteil vielschichtig aufgetragnen sinns <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*götterdämmung* <br />
<br />
das gegenteil vielschichtig aufgetragnen sinns <br />
als andrer meinung glaubenswertes wollen <br />
x-fält`ger einheit ehrung & respekt zu zollen <br />
vielnamensgleicher theorie ursprünglichen beginns <br />
<br />
ist für mich zustandsdiskussion jenseitiger bins- <br />
enweisheit, um ein hiersein auf ein höheres abzurollen <br />
& knebelung der wahrheit durch ein wollensollen <br />
nur mechanismus rationalisierten übersinns <br />
<br />
& götterschöpfend wortreich linienlegend <br />
so unfruchtbar in einer herrschaftsfreien gegend <br />
nur angstgeschöpftes braucht ein einfaltsjoch <br />
<br />
ich kenne jenes reduktionsverfahren <br />
mische ich eigenstoffe lieber, scheitere & doch <br />
will man mich immer noch davor bewahren <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*traumfinale* <br />
<br />
will man mich immer noch davor bewahren <br />
euphemisierungsgaben restlichen verbleibens <br />
der zwiegeschiedenheit mortalem scheidungstreibens <br />
zur kenntnisnahme mir, das aufwärts widerfahren <br />
<br />
spekulationen über jene absehbaren <br />
enden allen gleichsamen entleibens <br />
zu wenig zeit mir, annehmlichen zeitvertreibens <br />
um meine totenmaske vor mir aufzubahren <br />
<br />
lass ich finalgedanken dem finale <br />
verneine unsägliches ins pauschale <br />
& packe nicht vor oftzitierter letzter wanderung <br />
<br />
haste ich lieber doch ins ungefähre <br />
& meide jene gutgemeinte fassung <br />
ob nicht ein einz'ger weg ein kluger wäre? <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*extended version* <br />
<br />
ob nicht ein einz'ger weg ein kluger wäre? <br />
zurückzukommen auf die ausgangsfrage <br />
seh ich mich ausserstande in der lage <br />
antwort zu geben mit der nötgen schwere <br />
<br />
der allerweltsichtungen überbleibsel lehre <br />
poetisch heterogenes sinngemengelage <br />
zu suchen, ordnen, sammeln, so ertrage <br />
ich, die stetig anwachsende misere <br />
<br />
geformtes & magaziniertes schweigen <br />
geradgepegelt, immer noch am steigen <br />
& wartend selbstverhängter schröpfung <br />
<br />
was kann & werde ich mir aufbewahren <br />
wenn meine speicher voll bis zur erschöpfung <br />
sich noch erweisend, nicht sofort, vielleicht in spätren jahren <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*sic tacuisses* <br />
<br />
sich noch erweisend, nicht sofort, vielleicht in spätren jahren <br />
der langen rede kurz gedachten eilens <br />
aus jetzger sicht umständlichen visionverweilens <br />
könnt ich mir einen zukunftsblick ersparen <br />
<br />
würde ich konsequenterweise so verfahren <br />
& handlungsdenken ungelenken handlungspeilens <br />
aufgeben dieszugunsten eines schweigenteilens <br />
würdest ganz sicher du von andrer stelle es erfahren <br />
<br />
was solls, ich kann mein maul nicht halten <br />
& sollte noch einmal ein längerer sermon sich entfalten <br />
von mir aus, geh dorthin, von wo aus du`s erträgst <br />
<br />
nur kann ich die wahrscheinlichkeit nicht nehmen <br />
dass dort schon teil um teil von mir erwächst <br />
zerstreut in einer vielzahl möglicher benehmen <br />
 <br />
 <br />
 <br />
*letzte dinge - sonetto magistrale* <br />
<br />
zerstreut in einer vielzahl möglicher benehmen <br />
ganz gleich, ob wundermittel, wasser oder gift <br />
predige ich wein & lache gleichsam den verzicht <br />
denn ich will alle sichtungen der welt entlehnen <br />
<br />
allein mein körper hält mich hier gefangen <br />
um vielfach mehrheitlich zu initialisieren <br />
ins körperferne mich zu phantasieren <br />
geb' ich gelassen mich & unbefangen <br />
<br />
doch nicht zu spät sei`s für ein andres überleben <br />
ob ich's gesehen hab in meinem streben? <br />
das gegenteil vielschichtig aufgetragnen sinns <br />
<br />
will man mich immer noch davor bewahren <br />
ob nicht ein einz'ger weg ein kluger wäre? <br />
sich noch erweisend, nicht sofort, vielleicht in spätren jahren</div><br />
<br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Undine Materni, gedichte</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/undine_materni_gedichte/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.66</id>
      <published>2007-07-06T03:28:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T13:05:32Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <b><br />
Manchmal morgens</b> bringt <br />
der kleine Postbote Schätze ins Haus <br />
Er zwinkert verstohlen und <br />
wärmt an seiner Brust die<br />
ach so schmal ist <br />
ebenso kleine Pakete Er lächelt<br />
kaum sichtbar Als wisse er<br />
um das Geheimnis im gleichmütig<br />
braunen Papier<br />
Er schweigt das weiß ich<br />
um mir zu gefallen<br />
Und er hat Recht<br />
Gemeinsam schicken wir<br />
einen elektronischen Gruß<br />
ins Universum <br />
Unsichtbar umschlingen sich<br />
unsere Namen als wären sie <br />
für längere Aufenthalte bestimmt<br />
Doch verschwindet <br />
jeder von uns hinter der<br />
anderen Seite der Tür <br />
Und immer riecht es dabei<br />
ein wenig nach Zimt<br />
<br />
<b><br />
es ist ein irrtum</b> <br />
zu glauben in einem <br />
gedicht könne man sich<br />
ausruhen etwa den kopf behaglich <br />
auf eine metapher legen es wäre<br />
verdächtig sich an der mühe vorbei<br />
zu schaukeln in grün oder <br />
rosa als stände die zeit still<br />
in einem gedicht an der<br />
peripherie zur wirklichkeit<br />
wie auch immer diese sich kleidet<br />
um den morgen zu grüßen den mittag<br />
die nacht in der die dinge ihre<br />
namen verleugnen und doch nicht<br />
verloren gehen im scheinbaren<br />
stillstand während die uhren sich unbeirrt<br />
weiter und weiter im kreis drehen es ist<br />
ein irrtum zu glauben ein gedicht sei<br />
so etwas wie ein schiff ein handhabbares<br />
küchengerät ein blumentopf ein aschekasten<br />
mantel handschuh runder hut irgendetwas<br />
zum reintun ein ort ohne bewegung ein gefäß<br />
das vielleicht ohne schweiß auskommt so<br />
ist es nicht ein gedicht ist keine ansammlung<br />
von vermutungen ein gedicht ist absicht ist<br />
höhlung erhebung ist auslassung ist behauptung ist <br />
flüssig und schartig ist süß (im schlimmsten fall) bitter<br />
und abgründig lebendig freundlich zuweilen<br />
und es kommt unerwartet entgegen<br />
wie ein freund ein feind<br />
an die tür ans fenster auf dem<br />
gehsteig es ist wie die umarmung<br />
eines fremden im stadion der handschlag eines<br />
bettlers im tunnel die berührung der wange<br />
durch eine frau dies ist kein kissen<br />
kein schlag keine antwort<br />
<br />
<b><br />
Garten. Weiß.</b><br />
<br />
<small><div align="right"><i>Auf Wiedersehn. Bis morgen. Bis zum nächsten Mal.</i><br />
Wisława Szymborska</div></small><br />
<br />
Aber es ist doch nicht so<br />
dass alles verschwindet <br />
wenn Schnee fällt<br />
Die Dinge ändern nur ihre<br />
Gestalt Werden weicher<br />
und geben sich nicht mehr<br />
so leicht zu erkennen.<br />
<br />
Die Bäume zum Beispiel<br />
sind nicht mehr nackt<br />
sondern mit weißen <br />
Eichhörnchen bekleidet<br />
Mit Schneetauben Hasen<br />
und diesem seltsamen Licht<br />
welches das Auge um alle Farben<br />
<br />
betrügt weil es sie verschlingt<br />
in sein funkelndes Weiß So als<br />
gäbe es immer ein erstes Mal<br />
eine erste Berührung zum Beispiel<br />
oder eine Form ohne Beschreibung<br />
ein Wort ohne Nachklang<br />
eine Gestalt ohne Namen<br />
<br />
Aber es ist doch nicht so<br />
wie ich schreibe Hinter den Worten<br />
hockt immer noch eine andere<br />
Wahrheit und krümmt sich<br />
oder schwankt im gleißenden Licht<br />
Denn der Schnee schmilzt irgendwann<br />
Und im Weiß sind alle Farben zuhause<br />
<br />
<b><br />
All colours will agree in the dark</b><br />
<br />
<div align="right">ein belichtetes gedicht</div><br />
I <br />
dunkel wird es in der stadt<br />
nie ganz <br />
immer ist da noch eine <br />
tagspur übrig wie ein rest<br />
etwas wonach sich jetzt keiner <br />
mehr unbedingt umdrehen muss weil <br />
die temperatur von erwartungen <br />
mit jeder minute absinkt jetzt <br />
wagen sich die geisterbäume in die gezirkelte<br />
landschaft winken mit der müdigkeit<br />
von fremden deren atem voller <br />
abenteuer ist die wiesen scheinen <br />
wie seltsame wasser <br />
rufen in wellenschlägen nach<br />
empfindsamen sohlen jetzt <br />
wäre selbst in der stadt etwas wie <br />
stille möglich doch dunkel wird es <br />
nie ganz und es ist immer ein rauschen <br />
über den dingen die aggregate <br />
summen zaubersprüche in die leeren straßen<br />
streuen kühle lichtpartikel über die <br />
entladerampen heben begrenzungen <br />
aus dem grund vergolden <br />
den mächtigen brückenpfeiler <br />
es ist ein trauriges märchen<br />
in diesem licht ohne mauersegler ohne trügerisches<br />
rot ohne bordeaux all colours will agree in the dark<br />
das klingt als würden sie einander<br />
an den fingern fassen um sich der <br />
landschaft zu bemächtigen sie zu trösten <br />
diese landschaft die keine landschaft<br />
mehr ist eher: ein gelände <br />
ein gelände der abwesenheit eine<br />
gigantische bühne ohne akteure über die der<br />
rauch wie giftige zuckerwatte aus den essen<br />
weht all colours will agree es wäre ein grau ein <br />
silber vielleicht ein<br />
unentschiedener ton voller ruhe<br />
aber sie teilen sich in ein <br />
bitteres grün ein hämisches violett ein frostiges <br />
blau nur ab und zu gießt sich tröstliches<br />
gelb wie honig zwischen die wände ein sog ein<br />
augentunnel für die heimkehrer die in den <br />
turmhäusern wohnen in denen man den satz<br />
mit den katzen sagt wenn man das licht meint<br />
oder die nacht diesen satz der die gegenwart<br />
der tiere auf den straßen ebenso ausschließt wie <br />
die möglichkeit von landschaften nachts<br />
im gelände <br />
<br />
II<br />
in den turmhäusern warten akteure und <br />
statisten auf ihren einsatz den morgens <br />
die sonne gibt ein signal zur belebung<br />
der szenerie: lumiere selas svet<br />
svatlos feny svetloba luz light ales-resch svetlosti<br />
licht lumen light lumiere svet selas feny …<br />
dann schweigen auch die<br />
blinkenden lichter das tränenauge der<br />
kühltruhe das müde gesicht einer elektrischen<br />
zahnbürste das tröstliche hell eines<br />
verlassenen fensters der bildschirm<br />
an dem ein dichter die spur<br />
einer katze ins dunkel verfolgt …<br />
all colours will agree in the dark<br />
nachts sind die katzen grau die sich<br />
nicht aus dem schatten wagen nachts <br />
hat das wort licht <br />
ein anderes gewicht nachts ist es<br />
eine leistung ein produkt <br />
ein schattenwort von gedämpftem klang<br />
ein augenanker der das gelände<br />
an der landschaft hält: selas alef-rech<br />
svetlosti lumen luz svet light feny licht <br />
sviesos lumiere selas …<br />
<br />
ein mantel der die vergänglichkeit<br />
der dinge zu verschweigen sucht<br />
wie zimtbitteres lachen am grab <br />
eines freundes dessen abwesenheit <br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Swantje Lichtenstein, gedichte</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/swantje_lichtenstein_gedichte/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.65</id>
      <published>2007-07-06T03:25:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T13:02:34Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <div align="left"><br />
<b>das prismatische</b> wölklein<br />
gaia oder ich offenbare dich<br />
willst die decke darüber ziehen <br />
die schamteile hinterm berg<br />
gehalten feige entblättern<br />
sie diese schmuggelworte <br />
wechselnde genrefragen<br />
durchfahren die extremitäten<br />
des tot geglaubten leibes <br />
im tonischen wasserfall<br />
vom ursprung der quelle<br />
den fluss hinauf gespannt <br />
zum darüber springen im<br />
anstieg und hinüber treten:<br />
schlüssellose verstimmung <br />
vom bein hinauf zum kopf<br />
es raschelt da und träumt <br />
nah ist und wache auch<br />
und wache die wache.<br />
<br />
<br />
<b><br />
er könig der vögel </b>vom einen zum anderen mittelpunkt <br />
selbst du im delphischen nebel ist es schwammig und nass <br />
und er nährt sich allein von diesen fleischigen ohren. <br />
zwirbelnd aufwärts dreht er der flugbahn den rücken zu<br />
rupft dem hühnchenkostüm die federn einzeln aus<br />
versteckt beschönigt verlorene jahre im much ado. <br />
sprießt pop aus dem gleichen boden wie die halme?<br />
fragt er sich zittern und saugt den tau von den berberitzen,<br />
die ungefragt ihm in den mund reichen und ihn süffig laben. <br />
ein späher lugt über die begrünung eines sitzmauermöbels,<br />
verteilt eingeweide an die katzen und die bezüngeln es rasch<br />
hinterrücks geht er getroffen zu boden und fleht um pathos, <br />
um ernst und schwere. sie brachte es am morgen, tranchierte<br />
es erst und mir zu füßen wartete sie auf die dankgiebigkeit<br />
bekam den schrei zum tage eins und ging leise von mir. <br />
<br />
<br />
<b>vogelfreie verpuppung</b> <br />
<br />
die beweinung des giornatos ein stückchenwerk <br />
unverteidigter gott und eine gekreuzte apernschrift<br />
finden sich in an den abhang geworfenen lichterflecken,<br />
-städten am gepünkelten strand bespickt mit schirmen <br />
an sandgefüllten wasseruhren jährt sich mein körper,<br />
pumpend streife ich die haut unter das alte kleid <br />
schraube mich die lange leine entlang zieh sie <br />
rechtzeitig herunter einer kehrtwendung wegen.<br />
dünennah am wasserrand ringle ich die ranken <br />
meines windigen wissens mir ins gedächtnis.<br />
im minutenland stichdicht blicke ich auf starre <br />
handschuhe schwarz und weiß aufgespießt<br />
am geländer eine finger-barrikade weist altes<br />
ins neue ein: vogelfreie verpuppung im punjab. <br />
<br />
<br />
<b>druckluftpumpe</b><br />
<br />
ab und zu lüften meine mohnworte den gedankendurchzug<br />
und kicken an lauen sommerabenden jedwede idee ins eck, <br />
ziehen um die häuser und landen brüche im brustknochen,<br />
der schon sich aufs bein verlagert hat, monsieur éclat d’os. <br />
es lehnen die wirbelstückchen mit klassizistischen säulen<br />
sich uns zu, über die wahrheit streiten sich lug und trug: <br />
wie viele schläge eine tracht wohl habe, wer denn atlas<br />
die welt auf die schultern schüttete, warum die daumen <br />
geschraubt werden und nicht genagelt oder gedübelt?<br />
höhenkranker luftdruck und in den fenstern spiegeln sich <br />
bergbürsten und herbstseen mit aufgestautem arachnoidem<br />
gewebe und atemmüttern, deren blut obendrauf spritzt; <br />
der auftrieb aus diesem hydrostatischen paradoxon:<br />
die tiefe wirke, nicht die kraft in den elastischen körpern.</div><br />
<br />
<small>[* „vogelfreie verpuppung“ und „druckluftpumpe“ sind schon erschienen in swantje lichtenstein, figurenflecken oder: blinde verschickung, aachen: rimbaud verlag 2006]</small><br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Konstantin Ames, Nizza</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/konstantin_ames_nizza/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.64</id>
      <published>2007-07-06T03:23:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T12:59:17Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <div align="left">1 <br />
<b>ia oder 1 a </b><br />
nahe nizza, noch ohne nzz<br />
im sommer 89 im seichten<br />
unter den corniches bei villefranche<br />
das blond, noch blässe, das orange,<br />
urin. hielt es für einer holländerin<br />
sprechen / wunderblock.<br />
erste sahne war´s. <br />
<br />
2 <br />
<b>eune zîtung, links, mitte rechts unten: luxusgütern nach nordkorea </b><br />
shington hat am freitag (fischtag) eine liste von luxus<br />
exportiert<br />
kungen waren stehen güter wie ipods, jet-ski, designer<br />
kleidung, diamanten, felle, notebooks, rennwagen, ja<br />
achten. spirituosen<br />
 <br />
3 <b><br />
rechts unten eune zeitung von sätzlichen truppen und material im grunde erst </b><br />
sel sucht das weitere (vergehen in<br />
vormen.)<br />
gung zuvorkommend<br />
der divergenzen vage<br />
satzanstrengungen auf militärischem und zivilem<br />
shington will<br />
den dollar für den wiederaufbau. <br />
strengung zu ermuntern. um an ihrer entschlos-<br />
schloss shington laut<br />
angehörige für 120 träger lang als vorgesehen<br />
beschert. obwohl fragen zur entsendung von zu-<br />
gungsminstern in sevilla behandelt werden sollen<br />
sätzliche truppen und material im grunde erst<br />
rungs-tornados auch ein thema<br />
                  <center>waren sich die minis-</center>lionen überzeugt davon, dass in kürze weitere zusagen<br />
bekannt würden. <br />
noch etwas mehr truppen und material an den<br />
mando endlich das militärische instrument zur<br />
rungen. erklä-<br />
gen mittel, um ihre aufgabe unter allen denk-<br />
korps die eu stärker zum einsatz kommen wird<br />
mit alle genau wüssten, was sie zu tun hätten<br />
nation und rollenverteilung in gang(bang?) komme, da- <br />
<br />
4 <br />
<b>rechts unten 1859er novellen <br />
I oder I </b><br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„Mein Paulchen, mein liebes, liebes Kind!“<br />
rief der Doctor, indem er sie an sich zog und einen<br />
Kuß auf ihre Stirn drückte. „Wie magst du aber <br />
solche Wunder bewirken und da noch zurücklegen, wo<br />
andere Mädchen nicht ausgekommen sein würden!“<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pauline erröthete leicht und fagte, auf den Teller<br />
deutend: „Die Cigarre hier hats auch noch abgeworfen,<br />
und was das Glas da betrifft, so brauchst du nicht <br />
auf einem Beine zu gehen, mein Väterchen.“<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und mit der Linken reichte sei ihm eine Cigarre,<br />
während die Rechte den Fidibus in Brand fetzte, fo<br />
daß der Beschenkte, wenn er von dem Dargebotenen Gebrauch machen wollte, nicht Zeit hatte, alfogleich<br />
zu antworten. <br />
(Fortfetzung folgt)<br />
 <br />
<b>Jj </b><br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein origineller Rechtsfall muuurde in einer Grafffchaft<br />
von England verhjandelt. Die Frage war: ob es<br />
einem Stadtbewohjner zuftehje, Thjiere zu hjalten, deren<br />
Lärm der Nachjbarschjaft ernftlich beschuuerlich falle.<br />
MUUr. Abrahamuu beglaubigte durch 3eugen, daß fein Nachbar, MUUr. MUUinder, einen Hjahjn habe, der in 25 MUUi=<br />
nuten 150 MUUal krähje. Der gelehjrte PRichjter fprach<br />
sichj aus, daß die menschjliche Ratur ein folchjes Ueber=<br />
maß von Hjahjnengeschrei nicht auszuhalten vermuuöge<br />
und verurthjeilte den MUUr MUUinder zu einem Gchilling<br />
Gchadenerfatz. Es fragt fich, wie viel MUUal darf ein<br />
rechjtfchaffener Hjahjn des Tages trähjen? <br />
<b>K akao </b><br />
Jn Jllinois verbrannte eine Regerin, die wahr=<br />
schjeinlichj die ältefte Frau in Umerika war. Sie muuar<br />
190 (?) Jahjre alt. <br />
<br />
5 <br />
<b>rechts unten eine neuichkeit vom basanten or beim krö </b><br />
populist das mausarme zentralamerikanische<br />
tion, ohne aber das absolute mehr zu erreichen <br />
fand bei einbruch der dunkelheit unter freiem<br />
eingetroffen war. begleitet von 21 böllerschüs-<br />
mentsabgeordneten und auserwählter gäste die<br />
reicht. anschliessend begab sich der frischgeba-<br />
santen sein comeback. 16 jahre des intrigierens<br />
politik in den eigenen reihen fanden ihren krö <br />
ärmel halbwegs hochgekrempelt, beschwor or<br />
darität, menschenliebe und halbe stunden frieden. der frühere<br />
fluss seiner frau, der poetin und persönlichen<br />
söhnliche botschaft verbreitet.<br />
sozialismus oder tod›› beschworen hatte, hörte<br />
auf die angereisten<br />
                  <center>begeistert ging die</center>menge mit und sang unermüdlich den song vom<br />
reich der liebe und der solidarität gepredigt <br />
gültig zu schliessen. offen bleibt insbesondere, ob<br />
anstecken lässt. in seiner improvisierten antritts-<br />
notstromgruppe, um die energieknappheitn zu-<br />
bas, sich an einer neuen<br />
zung des analphabetentums zu beteiligen. seine<br />
hore wurde mit applaus begrüsst. </div><br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Benjamin Stein, fremder gast</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/benjamin_stein_fremder_gast/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.63</id>
      <published>2007-07-06T03:20:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T12:52:37Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>ich bin es noch immer
<br />
im fragenmantel
<br />
mein verlorenes land
<br />
im rücken
<br />
hat das suchen kein ende
</p>
<p>
die uhren vermessen beständig
<br />
und ohne zorn
<br />
die spannen
<br />
zwischen abschied und wiederkehr
<br />
mustert der stundenwächter
<br />
zufrieden
<br />
die riegel am herzbau
</p>
<p>
ich bin es noch immer
<br />
hinter begonientöpfen
<br />
webt die spinne ihr netz
<br />
in meinem mund
<br />
 
<br />
<b>
<br />
entdeckungen an einer frau</b>
</p>
<p>
<i>für ksk</i>
</p>
<p>
jetzt hast du dein geheimnis
<br />
abgestreift wie ein verschlissnes kleid
<br />
der schneider eilt
<br />
er hebt den arm
<br />
ein neues anzumessen
<br />
ihm fehlt das garn
<br />
die nackte stirn
<br />
mit schleiern zu verhängen
<br />
die nadel sticht
<br />
ihn nur ins eigne hirn
<br />
wenn er die hände nicht
<br />
von seinen augen reisst
</p>
<p>
so muss er schweigen gehn
<br />
und schauen
<br />
staunen
<br />
 
<br />
<b>
<br />
die früheren frauen</b>
</p>
<p>
in die blutkammer
<br />
neben die mutter gehängt
<br />
sind die früheren frauen nicht tot
<br />
ihr schweigen durchdringt
<br />
die wände des hauses
<br />
und sie klopfen noch immer
<br />
mit kühlen händen
<br />
in den rhythmus der tage hinein
<br />
manche stunde
<br />
gerät ins wanken
<br />
wenn das licht
<br />
günstig steht in einem
<br />
ihrer ab-
<br />
wesenden augen
<br />
 
<br />
<b>
<br />
Die Anker lichten</b>
</p>
<p>
Die Anker lichten
<br />
in fremden Häfen
<br />
die Schiffe
<br />
und kehren heim.
</p>
<p>
An entlegenen Quais
<br />
wird die Fracht gelöscht,
<br />
die Gespenster ausgetrieben.
</p>
<p>
Der Seelenkarzer
<br />
liegt ratlos auf Reede.
<br />
Auf der Brücke
<br />
stolpern die Uhren.
</p>
<p>
<b>
<br />
Was zählt</b>
</p>
<p>
Wie lange willst du noch laufen
<br />
an der kurzen Leine der Kindheit,
<br />
im Gepäck die wohlgemeinten
<br />
Redensarten der Hexen und Trolle:
<br />
Gedankenfilz und allerlei Unrat
<br />
aus fremden Häusern.
</p>
<p>
Bahnhöfe gibt es,
<br />
die musst du verlassen,
<br />
bevor der Wartesaal
<br />
in dir Wurzeln schlägt
<br />
und der Horizont
<br />
sich zum Tunnel verengt.
</p>
<p>
Wir wissen ja nicht, was wahr ist,
<br />
sagst du. Wir können nur sagen,
<br />
was zählt.
</p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Armin Steigenberger, all diese himmel</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/armin_steigenberger_all_diese_himmel/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.62</id>
      <published>2007-07-06T03:18:00Z</published>
      <updated>2007-07-15T17:06:09Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <div align="left">sagst du in die man kommen kann <br />
dies da so gibt die also gezählt <br />
sind diese gefilde da droben oder sonst <br />
wo nicht von dieser sagst du welt so zu <br />
sagen also himmlisch na ja du sagst <br />
<br />
himmel <br />
<br />
wenn sich von oben dein minimal <br />
himmel in streifen zieht, von einem kuss <br />
<br />
getroffen wie diese lange wolke von rechts <br />
ihre nackte zunge dem abend in den schlund <br />
<br />
schiebt (deep throat) wenn das braun <br />
deines auges wie eine haltlose metapher <br />
<br />
über links das meine trifft berührt dann <br />
hast du mir mein herz vollends ausgemalt <br />
<br />
<b><br />
ist oben </b><br />
<br />
nicht eigentlich unten und unten nicht der himmel <br />
und alles klebt oben fest und hängt bäuchlings, <br />
bauchjäh nach unten wie am seil, gekröpftes lianen- <br />
wesen also? ragen berge am weitesten ins tal, von <br />
der außenhaut entfernt abgestoßen von der zentrifugal <br />
sich drehenden kugel? autos hängen an ihren gummi <br />
<br />
rädern? nach dem motto hängen statt stehen? <br />
<br />
<b><br />
du bist nicht beweisbar </b><br />
<br />
jedoch sind deine hände wärmer als <br />
das licht, das droben, hinter all den wolken <br />
sich bricht: ein dürrer strahl, heraus gemolken <br />
aus all dem graugewölk und bestenfalls <br />
<br />
ein schimmer, der durch dünnes glas herein <br />
ins zimmer fällt. bist du nur eine tafel <br />
aus licht, die sanft am boden liegt und da viel- <br />
leicht sich leis bewegt: ein blonder schein? <br />
 <br />
 <br />
 <br />
die buchstaben lassen nach, irren auf dem papier <br />
umher, schriftzeichen liegen da, strömende ameisen <br />
auf schneeweiß unbewohntem. selbstankläger, <br />
<br />
arbeiterinnen, militärisch in linie gebracht. geerdete <br />
atemzüge aus tinte kriechen aus ihrem bau auf allerlei <br />
irrwitzige kommandos lauschend. sie kennen kein <br />
<br />
pardon, kein heimweh, keine gerechtigkeit. sie fliehen <br />
leise erdwärts in ihren tiefdunklen ursprung, pretty <br />
privacy, tief im erdenkern, nahe des metallenen herzens. <br />
<br />
dort arbeiten sie weiter, unermüdlich in unsterblicher <br />
sammlung. sie gehen zur sache und wissen was gut ist, <br />
zerstören papier, kleine krumen, meucheln imagination, <br />
<br />
informelles aas, angestorbenes. sie sind nützlich, immer <br />
zur stelle, zungenfertig lesen sie alles auf, was lesbar ist, <br />
unsichtbar bedecken sie die welt <b>mit ihren schatten.</b> <br />
<br />
<b><br />
den besten pulverschnee </b><br />
<br />
den findest du in keinem sommer <br />
da findest du nur frisches laub <br />
blühende wiesen und leihweise sterne <br />
über deiner weit gewölbten stirn <br />
<br />
<b><br />
schnee, nr. 9 </b><br />
<br />
es steht außer zweifel dass der <br />
schnee sich nur äußerst selten in <br />
beichtstühle bequemt und wenn <br />
dann sozusagen als blinder passagier <br />
an mänteln klebend von hüten <br />
herunter fallend an stiefeln und <br />
schnürsenkeln und rockschößen <br />
unfreiwillig eingeschleust <br />
immer löste er sich sogleich in wasser <br />
dann in luft auf bevor er überhaupt <br />
über seinen unvorteilhaften <br />
lebenswandel berichten konnte </div><br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Michael Perkampus, Der Tod des Sardanapal</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/michael_perkampus_der_tod_des_sardanapal/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.61</id>
      <published>2007-07-06T03:17:00Z</published>
      <updated>2007-07-11T02:48:17Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        Das verabscheuungswürdige Gemälde über den Tod des Sardanapal, das heute im Louvre zu sehen ist, hat Eugéne Delacroix für eine Ausstellung im Jahre 1827 gemalt. Er hatte dabei nicht bedacht, dass jedes Gemälde auch die Gefahr des Einfrierens eines gewissen Augenblicks birgt, eines rätselhaften Momentes, der die gewesenen Dinge verstärkt und die zukünftigen Dinge erfindet.<br />
<br />
Sardanapal liegt gleichmütig auf einem breiten Bett und betrachtet teilnahmslos, wie in seinem Gemach sämtliche Frauen von Dienern abgeschlachtet werden. Auch sein Araberpferd ist wie eine Frau mit Geschmeide und Perlen geschmückt und findet den Tod. Ein Diener hat das Messer tief in die Brust des Tieres gestossen. Alles in allem werden hier die Vorbereitungen für den Freitod getroffen, denn der Feind (der soldatische Arbaces, dem sich alle Verräter der Stadt bereits angeschlossen haben) dringt bereits in die Stadt.<br />
<br />
Ich erwähne das, weil die allgemeine Kunstkritik wie selbstverständlich davon ausgeht, es handle sich bei diesem Gemälde um eine Szene aus Byrons „Sardanapal“. Das ist jedoch abwegig, da sich in Byrons Tragödie der assyrische Herrscher mitsamt seinen Schätzen und mit Myrrha, einer ionischen Sklavin, an der sein Herz hängt, verbrennt. Von der Abschlachtung seiner Haremsfrauen ist darin nichts zu lesen. <br />
<br />
Lange Jahre fand Delacroix für sein schockierendes Gemälde keinen Abnehmer, bis eines Tages im Jahre 1846 ein geheimnisvoller Käufer aus dem Nichts auftauchte. Dieser Herr bestand darauf, das Bildnis um jeden Preis zu erstehen, er selbst aber müsse vollständig anonym bleiben dürfen. Auf dem Blatt Papier, das ein Diener überbrachte, stand, dass der Überbringer sämtliche Befugnisse habe, die das Bildnis betreffe. Delacroix, der nicht umhin konnte, sein verschmähtes Werk nun endlich doch zu verkaufen, war allerdings nicht ganz einverstanden mit der Tatsache, rein gar nichts über den zukünftigen Besitzer in Erfahrung zu bringen und dachte bei sich, dass ein Mensch, der bereit ist, jeden Preis zu bezahlen, ebenso bereit sein müsse, andere Forderungen zu erfüllen. <br />
<br />
Er gab dem Diener zu verstehen, dass er, Delacroix, ein derartiges Werk nicht in völlig unbekannte Hände geben könne. Der Grund sei dieser: Eingedenk der hohen gesellschaftlichen Welle und Kritik wäre es nicht undenkbar, dass man das Bild zu vernichten trachtete, und er, Delacroix, müsse sich in jedem Fall davon überzeugen können, dass er sich mit diesen Befürchtungen irre. Der Diener überbrachte die Nachricht, aber eine Antwort blieb aus. Delacroix war zur Hälfte amüsiert und zur Hälfte enttäuscht, denn er vermutete nun, dass er den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. <br />
<br />
An einem der folgenden Abende besuchten den Maler der Klaviervirtuose Chopin und die Schriftstellerin George Sand. Die beiden fanden Delacroix derart verstört vor, dass sie zunächst nicht wussten, was sie unternehmen sollten. Chopin gab seine Sonate g-moll, die für Klavier und Violoncello gedacht war (wobei den Cellopart Franchomme niedergeschrieben hatte). Seine Finger lagen zu Beginn auf e, fis, gis, h und c, sein Gesicht war hager und blass wie immer. Der Maler indes, der die Musik Chopins sehr schätze, begann sich sichtlich zu entspannen, was nicht zuletzt daran lag, dass Frédéric ein Opus zum Besten gab, das ihn selbst sehr verunsicherte und das er in einem Moment rühmte, um es im nächsten doch wieder zu verwerfen. <br />
<br />
George Sand, die später ein Buch herausgeben sollte, das die Gespräche zwischen den beiden unterschiedlichen Künstlern zum Inhalt hatte, verlor darin kein einziges Wort über jenen Abend¬. Sie erwähnte hingegen in ihren Tagebüchern, dass sie lange mit sich gerungen, dann aber entschieden habe, die Aufzeichnungen über die Konversation jenes Abends zu vernichten. <br />
<br />
„Ich habe das Bild so gemalt, wie ich es beschrieben habe“ beteuerte Delacroix „aber anders, als es jetzt ist. An Sardanapals oberer rechter Seite fehlt Myrrha, die ionische Sklavin. Und erzähle mir nicht, ich kenne meine Bilder nicht mehr.“ George Sand schmauchte ihre Zigarre und notierte alles, was sie hörte. Und wenn nichts gesagt wurde, beschrieb sie das Schweigen. <br />
<br />
„Warum hast du es auf diese Weise dargestellt? Das letzte Bild, dieses ... Massaker von Chios zeigte schon eine ähnliche Szenerie.“ <br />
<br />
„Weil Myrrha es mir so beschrieb.“ <br />
<br />
George Sand hörte zu schreiben auf.  „Du bist überspannt. Wie lange warst du nun nicht mehr im Salon?“ <br />
<br />
Eugéne erhob sich und ging im Zimmer auf und ab. „Das hat damit nichts zu tun. Glaubt ja nicht, dass ich derartiges erfinde. Ich bin kein Dichter!“ Er warf George einen gequälten Seitenblick zu und streifte damit ihr amüsiertes Lächeln. <br />
<br />
„Frédéric, spiel mir eine Phantasie, damit ich mich sammeln kann. Ich will versuchen, euch alles zu erklären.“<br />
<br />
„Was wollen Sie von mir?“ meinte Delacroix, hätte er die Dame gefragt. „Ich möchte nichts geringeres, als dass Sie mich retten“ sei ihre Antwort gewesen. <br />
<br />
Sie erzählte von Sardanapal und dass das Feuer eine Lüge sei. Feige wie ein Hund habe er sich mit Gift das Leben genommen, während er den ganzen Harem niedermetzeln liess. Sie aber sei entkommen. Ihr Name sei Myrrha. <br />
<br />
Delacroix hielt die Frau für vollkommen delir, bat sie aber dennoch herein. Er dachte zunächst, dass es sich um eine Fanatikerin handeln müsse, die sich in die Orientalistik verstiegen hatte, die er ja durchaus selbst zu schätzen wusste. Als sie sich schliesslich in seinem Atelier gegenübersassen, fragte er sie: „Wie könnte ich Ihnen behilflich sein? Was glauben Sie?“<br />
<br />
Ohne lange zu warten, so als sei es eine bereits ausgedachte Antwort auf eine erwartete Frage, sagte sie: „Malen Sie den Tod des Sardanapal! Malen Sie ihn ohne Feuer und zeigen Sie, was wirklich geschah.“ <br />
<br />
„Und was geschah wirklich?“ <br />
<br />
„Nicht, dass wir uns missverstehen: Sardanapal fürchtete den Tod keineswegs. Er war für ihn nur ein endloser Schlaf. Die Sieger standen vor den Toren, jeder in der Stadt war bereits zum Verräter geworden. Niemand konnte und niemand wollte Widerstand leisten. Es schien, als wären ihm nur noch seine Frauen geblieben und einige seiner Diener, die ihm treu ergeben waren. Auch wir hätten davonlaufen können, aber wir taten es nicht.“ <br />
<br />
„Und warum nicht?“ <br />
<br />
„Es wird wohl Gewohnheit gewesen sein. Und die meisten von uns hätten sowieso den Tod gefunden. Damals waren Frauen nicht so viel wert, wie es heute in eurer seltsamen Welt der Fall ist.“ <br />
<br />
Delacroix musste schallend lachen, und Myrrha zuckte zusammen. „Lassen Sie das nicht in der Öffentlichkeit verlauten. Ich fürchte, man wird mit Ihnen nicht einer Meinung sein“ erwiderte der Maler vergnügt. <br />
<br />
„Angenommen, ich würde das Bild malen. Was versprechen Sie sich davon? Soll ich nicht lieber Sie zeichnen?“ <br />
<br />
„Nein. Sie verstehen nicht. In dieser Nacht starben wir alle. Ich möchte noch einmal zurück in diese Zeit, in diesen Raum. Ich will, dass Sie mir meinen Körper in dieser Konstellation wiedererschaffen.“ <br />
<br />
„Mademoiselle, verzeihen Sie ... aber ich glaube ganz und gar, Sie haben den Verstand verloren.“ Er starrte sie an. <br />
<br />
(Ich selbst übrigens bekam Kenntnis von dieser Unterhaltung durch eine handschriftliche Aufzeichnung, die ich in Paris bei einem Spaziergang zwischen Quai de la Tournelle und Quai Voltaire bei einem Bukinisten am Seineufer fand, als ich nach einem gänzlich anderen Manuskript Ausschau hielt. Es handelte sich um eine abgegriffene Broschur, und der Inhalt begann willkürlich und ungewohnt fahrig. Nirgendwo war ein Name verzeichnet. Dennoch war ich erstaunt, denn es schien das fehlende Puzzle der Gespräche zwischen Chopin und Delacroix zu sein, jenem Buch, das bei Michel Levy Fréres, Paris, in Erstauflage erschienen war. Ich gestattete mir diese Anschaffung zum sensationellen Preis von nicht mal einem Croissant. Und so erfuhr ich von dieser unglaublichen Geschichte.)<br />
<br />
„Ein Getöse, als brächen alle Gewitter der Welt herein, war zu vernehmen. Die Mauern barsten an vielen Stellen gleichzeitig. Die Dienerschaft hatte bereits einen Scheiterhaufen errichtet. Denn von den Reichtümern im Palast, von den Leichen und den Ausschweifungen sollte nichts mehr übrigbleiben. Alle kostbaren Stoffe wurden aufgetürmt, mit Edelsteinen und goldenen Kelchen wurde die letzte Orgie gefeiert, trunkener Gesang mischte sich mit tausend Instrumenten. Die abgerichteten Löwen und Tiger, mit denen der Garten voll gewesen war, brüllten. Sie streiften nun durch den Palast und leisteten dem verbliebenen Hofstaat Gesellschaft, den Frauen und Günstlingen, den entehrten Priestern und Dienern.“ <br />
<br />
Mit weit aufgerissenen Augen erzählte Myrrha ihre Geschichte. (Laut Delacroix faszinierte ihn das visionierende Gesicht so sehr, dass er eine Studie begann, noch während sie da sass und so tat, als hätte sie das alles wirklich erlebt. Aus den Aufzeichnungen der George Sand ging hervor, dass Frédéric und auch sie selbst am ganzen Leib zu zittern begannen, so seltsam wirkte die Geschichte.) <br />
<br />
„Warum wollte sie nun wirklich, dass du dieses Gemälde malst?“ wollte George von Delacroix wissen. <br />
<br />
„Ich fürchte, genau aus jenem Grund, aus dem sie jetzt nicht mehr im Gemälde zu finden ist. Sie wollte, dass ich ihr ihren Körper zurückgab und zwar genau in der Form ihrer Erinnerung.“ <br />
<br />
„Ihr Zauberer! Macht, dass der Winter Rosen hervorbringt! Verdoppelt den Wein! Nehmt eure Herrschaft über die Elemente, um die Schönheit der Frauen göttergleich zu machen!“ So sprach Sardanapal, König der Assyrer, der es als sein ureigenstes Privileg verstand, dass Wunderwerke einzig seinem Vergnügen dienten. Und die Zauberer gehorchten. „Erscheint wie die Agave, denn sie entwickelt erst zum Lebensende hin Knospen!“ rief er den Frauen zu und gab den Befehl, alle mit dem Dolch zu töten, während er sich von seinem Mundschenk bedienen liess.<br />
<br />
Myrrha, dieses nackte, sinnliche Geschöpf, blickte im Raum umher, als würde sie etwas Bestimmtes suchen, etwas, das nur sie erkannte. Das Licht flimmerte, und als einer der Diener ihr das Messer an die Kehle setzte, tauchte der Pinsel auf, schob das Messer beiseite und umrahmte ihr Gesicht. In jenem Moment spürte sie zwei Dinge gleichzeitig: einen rasenden Schmerz, der ihr das Leben nehmen wollte und eine erfrischende Berührung, die ihre Lebensgeister aufstachelte. Aber noch etwas Drittes mischte sich darein: Das war genau jene Sekunde, die sie benötigte, um ein Bild in Auftrag zu geben. <br />
<br />
„Am gestrigen Tage nun“ fuhr Delacroix fort, „kam der Bote erneut und verkündete, sein Gebieter möchte mich zu sich einladen. Er habe beschlossen, sein Geheimnis zu lüften. Meine Nervosität entging dem Diener nicht, wenn er sie auch falsch deutete, dachte er doch, ich sei in heller Aufregung wegen des mysteriösen Treffens. Das Problem lag aber nun auf der Hand: Ich konnte das Bild unmöglich verkaufen, denn sicher kannte der Interessent das Original. Niemand würde mir abnehmen, eine der Konkubinen sei über Nacht aus dem Gemälde verschwunden. Noch weniger würde man glauben, es handle sich darüber hinaus um jene Sklavin, die das ganze Gemälde bei mir in Auftrag gegeben hatte.“ <br />
<br />
„Das ist eine Geschichte wie aus einem Opiumtraum“, sagte George Sand, während Chopin kümmerlich und blasser denn je, regungslos an dem kleinen Flügel hockte. „Als nächstes wirst du uns erzählen, der unbekannte Kunstkenner sei ebenfalls aus dem Gemälde entstiegen.“ <br />
<br />
Delacroix blickte sie leidgeplagt an. „Nicht ganz.“ <br />
<br />
Eugéne goss sich einen Gin in sein Glas und sagte dann: „Diesen Herren hatte ich auf dem Gemälde nicht bedacht. Es handelte sich um den treuesten Diener des Assyrerkönigs, und sein Name ist Pania. Myrrha zufolge war er es, der ihr das Messer an die Kehle setzte, um sie zu töten.“ <br />
<br />
„Aber es gelang ihm nicht, weil du sie maltest?“ George vergass beinahe, weiter zu schreiben. <br />
<br />
„Genau so ist es. Myrrha hatte mir erzählt, sie sähe die einzige Möglichkeit zu entkommen darin, sie von ihrem menschlichen Körper in das Gemälde zu versetzen. Ihr bliebe nur eine Sekunde, und ich müsste mich also sofort entscheiden. Selbstverständlich war ich davon überzeugt, es handle sich um den barsten Unsinn, den mir je ein Mensch erzählen könnte. Auf der anderen Seite fand ich ihre Erscheinung höchst anregend, und so stimmte ich dem Vorhaben zu. Ich dachte mir, ein solches Werk passe sogar zu mir. Ich erinnerte mich, dass auch Byron eine Verserzählung über den spektakulären Selbstmord des verweichlichten und weibischen Herrschers geschrieben hatte. <br />
<br />
Ich lächelte Myrrha an in der Hoffnung, sie merke nicht, dass ich sie für eine Wahnsinnige hielt, und ich gab ihr zu verstehen, ich würde heute noch mit dem Skizzieren beginnen. Eine Sekunde aber würde sicher nicht ausreichen. Daraufhin gab sie ein merkwürdiges Gleichnis über die Zeit zum Besten, das ich nicht ganz verstand und das ich deshalb auch nicht wörtlich wiedergeben kann. Es besagte in etwa, dass die Zeit an unterschiedlichen Orten auch unterschiedlich flösse. Was sollte ich darauf geben? <br />
<br />
Nun, das Bild wurde gemalt und wie ihr wisst, wurde es nicht gerade bejubelt. Ganz im Gegenteil versagt man mir die Anerkennung bis heute.“<br />
<br />
„Aber warum ist sie erst nach all den Jahren aus dem Bild entflohen?“ <br />
<br />
„Ich glaube, weil sie wusste, dass man ihr wieder auf den Versen war.“ <br />
<br />
„Ich habe heute keine Lust mehr, zu präludieren.“ Chopin erhob sich. „Ich finde, wir sollten uns in den Pariser Salon begeben und über etwas anderes reden.“ <br />
<br />
„Eines würde mich noch interessieren,“ sagte George Sand, „hast du diesem Pania von der verschwundenen Konkubine erzählt?“ <br />
<br />
„Das musste ich nicht. Er wusste bereits, dass Myrrha wieder entkommen war. Nur diesmal hatte er keine Möglichkeit mehr, ihren Aufenthaltsort zu bestimmen. Er zog das Angebot zurück und riet mir, nicht weiter über Geschichte nachzudenken. Er sagte, unsere Vergangenheit sei eine einzige erfundene Tatsache. Manche Menschen fänden seltsame Wege, ihrem Schicksal zu entgehen, nur um ein neues anzunehmen, von dem sie ebenso wenig wüssten. Worte sind Worte, Gemälde sind Gemälde, Ereignisse sind Ereignisse. Nichts ist wahrer als etwas anderes, nichts wiegt schwerer.“ <br />
<br />
„Hat er gesagt, was er nun zu tun gedenkt?“ <br />
<br />
„Ja“ schloss Delacroix: „Er sagte, er werde sich eine Metapher suchen, in die er entschwinden könnte.“ <br />
 
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      <title>Kerstin Becker, Lillith</title>
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      <published>2007-07-06T03:16:00Z</published>
      <updated>2007-07-15T17:04:33Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
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      <category term="heft 4"
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        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <div align="left">Ihre Kehle schmerzte, sie schluckte, doch ihr Mund blieb voll davon. Eisen. Ein Geschmack, der von ihrer langsam rostenden Innenhaut rührte. Sie kratzte mit ihren Nägeln über die Zunge und trank den Espresso in einem Zug. Lauwarm, wie sie diese Nachlässigkeit hasste. Zahlen! Die Kellnerin nahm das Geld mit einem Illustriertenlächeln, murmelte irgend etwas, hob die Brauen. Geschminkt wie ein Vamp, dachte Lillith und fixierte sie mit dem Blick, der die Vergehen der Menschen an die Oberfläche treibt.<br />
<br />
Auf dem Kanal schwamm ein Schwanenpaar wie angeleint hinter dem Raddampfer her. Aus den Lautsprechern monotone Litaneien, Predigten aus Jahreszahlen, gefiltert, Gläserklingen, Gesang. Lillith keuchte, die Luft hier zerstach ihre Bronchien, sie hustete, hielt sich fest am Geländer, das den Lauf des öligen Wassers säumte. Sie wischte mit ihrem Ärmel über die Stirn und betrachtete den Pullover. Das Muster, verblichener Mohn. Wie aus Flaschen Sachen gesponnen werden, die festen, endlosen Fäden. Was wird aus ihm? Dem synthetischen Ding?<br />
<br />
Azad ging vorbei an der Hand einer Frau mit aufgewühltem Gesicht. Er füttert sie mit melancholischen Liedern und der Wind darin, die Kinder, die kleine Hunde unter Tamarisken an sich drücken, wird der Klebstoff sein, der ihr Geschlecht an seines presst, dachte Lillith, für eine Nacht oder weniges mehr. Vielleicht war es nicht Azad, ein anderer, der nur so tat, ihm glich. Ach all die Dinge, die nicht wahr sind, aber genau so gut wahr sein könnten.<br />
<br />
Die U - Bahn eine nie müde Schlange, sie frisst, sie verdaut, scheidet aus. Die Bahnhöfe riesige Futtertröge. <br />
<br />
<br />
Lillith streichelte die Schmierereien auf dem Fenster. Wer wen liebt oder hasst, ficken will, Führer oder Anarchie.<br />
<br />
Sie sah hinter jedem Buchstaben die jungen Hände, roch das Adrenalin. Beim Aussteigen schossen silberne Bäuche wie Fischleiber über ihren Kopf, zum Greifen nah, Tauben, Ratten der Luft hatte mal einer gesagt und ausgespuckt, den sie dann nicht mehr mochte. Ein Seelsorger hatte sich nachdenklich auf sie gelegt: lass mich dich erkennen, während die kahlen Äste einer Kastanie ans Fenster schlugen und das Dorf bis zum Hals im Nebel versank. Dem Musiker tropfte Chili aus den Augen, wenn er seine Zunge nach dem letzten Akkord in sie schob. Der Architekt flüsterte unentwegt auf sie ein und ein Junge nach seiner Lossprechung  hatte, bevor er seine biegsamen Hände zwischen ihre Schenkel legte, ein Feuer entzündet, lange gesungen, es wieder gelöscht. Einer war über sie hergefallen, reglos standen ihr damals Schreie im Hals, die Angst hatte aus ihren Händen keine Fäuste geformt, verwirrt kratzte sie an seiner Haut, die nicht zu bluten anfing. Der Geruch seiner Spucke verseuchte manchmal ihre Träume.<br />
<br />
Heftig pulsierendes Blau und ein Stimmteppich, gedämpfter als sonst, zog sie an. Rücken beugten sich nervös über eine unsichtbare Mitte auf der Straße. Absperrungen, Stethoskope, Anweisungen. Männer zogen mit konzentrierten Bewegungen einen Körper aus deformiertem Blech. Der Kopf war befreit, der Rumpf, Lillith wusste, jetzt kam es auf den Moment an. Sie war eine gute Hebamme. Neugeborene auf bebende Busen legen, einhüllen, festhalten, wenn Dr. Dan sie mit Schläuchen, mit Injektionen versah. Im Gesicht des Geborgenen klaffte ein offener Mund. <br />
                                                                                                                                 <br />
Er erinnerte sie an die geplante Totgeburt im Juni vor sechs Jahren. Sie hatten mit der Prozedur eines Abbruches im sechsten Monat begonnen, doch das Kleine wollte und wollte nicht sterben, Kaliumchlorid, rief jemand, es zappelte, schlüpfte mit mongolischem Nomadengesicht aus seiner Jurte, der Vagina. Die Ärzte flüsterten bleich: und jetzt? Die Mutter hatte heiße Augen, Dr. Dan drückte ganz fest das Stengelchen Hals zu, die versiegenden Atemzüge dufteten nach Mutterkuchen.   <br />
 <br />
Ihre Schritte bekamen einen unregelmäßigen Klang. Die Nacht lieh den Dächern ihren schweren Mantel. Sterne begannen Spiralen zu drehen. Van Gogh musste die Augen genau so zusammen gekniffen haben und sein Herz war ein blinder Tänzer. Über hundert Jahre her rasend wie ihres. Den Himmel durchschauen nannte sie das, Farbe in Tupfen zerlegen, auf dünnem Eis tanzen, Wege über das aufgewühlte Bild werfen. Lillith wollte: Ich schmelze! rufen, doch sie schluckte den Impuls wie ein zu großes Stück Fleisch. Es lag ihr im Magen, um das Gefühl zu betäuben oder aus Hunger, entschied sie sich für Falafel im Gehen.<br />
<br />
Sie kaute und dachte es fehlt etwas - Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden, flehte das Banner einer Kirche - vielleicht Koriander. Sie verschwand in dem Terracottenbau und versank am Altar<br />
in dem seltsam verdrehten Blick des Babys, in Marias Gesicht, befühlte die abgewetzten Bänke und Bücher voll träger, tränenverschmierter Melodien. Es roch nach Staub und Stein.<br />
                                                                                                                                                                                                            <br />
<br />
Sie suchen etwas, fragte eine auf Einfühlung dressierte Stimme. Der Pfarrer reichte seine Hand nach unten. Mein Gott was ich für ein Bild abgebe hier auf dem Boden, sagte Lillith und: Ja, ich finde es nicht.<br />
</div> 
      ]]></content>
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    <entry>
      <title>Markus A. Hediger, Killologie</title>
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      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.59</id>
      <published>2007-07-06T03:15:00Z</published>
      <updated>2007-07-11T02:47:25Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <small>"... ist die Wissenschaft vom Töten. Den Namen gab ihr Dave Grossmann, ehemaliger Militärhistoriker und Psychologieprofessor an der Militärakademie in West Point.<br />
Ziel seiner Untersuchung, die von der US-Armee in Auftrag gegeben wurde, war es, die Effizienz, bzw. Tötungsrate von Soldaten zu steigern. Er stellte fest, dass Soldaten große Hemmungen haben, Menschen zu töten: "Die Soldaten sind bereit zu sterben, sie sind bereit, sich für ihre Nation zu opfern, aber sie sind offenkundig nicht ohne Weiteres bereit zu töten."<br />
[…]<br />
Forscher verschiedener Länder, darunter amerikanische, russische und chinesische, forschen daher an der Verbesserung von Soldaten in der Weise, dass sie gegen solches Mitleid, aber auch gegen andere Gefühle wie Schmerz oder Müdigkeit immun werden. Lag der Anteil von Soldaten, die auf einen ungeschützen Feind schossen, im amerikanischen Bürgerkrieg noch bei 15 bis 20%, wurde der Anteil […] im Koreakrieg auf 50% und im Vietnamkrieg auf 90% erhöht." <br />
[Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Killologie">Wikipedia</a>]</small><br />
<br />
1<br />
<br />
Das Fieber kündigte sich schon am Morgen, bei der ersten Tasse Kaffee, an. Die Augen lagen schwer in den Augenhöhlen, die Gelenke schmerzten. Jeder andere hätte angesichts der bevorstehenden Aufgabe dieses Fieber verflucht, aber für ihn gehörte es so selbstverständlich zur Routine wie die übrigen Vorbereitungsarbeiten. Es hatte sogar etwas Beruhigendes, mit welcher Verlässlichkeit der Körper auf seine konzentrierte Anspannung reagierte. Auch wenn die erhöhten Temperaturen seinen Körper schwächten und somit eine gesteigerte Konzentration verlangten, so signalisierte es ihm doch, dass alles in vorgesehenen Bahnen verlief. Er trank aus, ging auf sein Zimmer und packte das Notwendigste ein. <br />
Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt zum verlassenen Haus. Zufrieden stellte er fest, dass alles – wie vereinbart – für ihn vorbereitet war. Inzwischen war das Fieber weiter gestiegen. Geschwächt und halb benommen zwang er sich, das mitgebrachte Brötchen zu essen. Dann sank er ins frisch bezogene Bett und schlief augenblicklich ein. <br />
Er erwachte, und es war später Nachmittag. Durch die Lamellen hoher Fenster fiel letztes, weiches Tageslicht. Er blickte auf die Uhr, blieb noch einen Moment liegen. Böse Träume hatten seinen Schlaf geplagt. Mit einer unwirschen Kopfbewegung schüttelte er sie von sich ab. Sie hatten nichts zu bedeuten. <br />
Der Schlaf hatte das Fieber nicht zu senken vermocht – im Gegenteil. Jeder Herzschlag verursachte Schmerzen in seinen Schläfen, der Puls pochte bis in die Augen. Noch war kein Anlass zu Sorge. <br />
Das Fieber war besonders schlimm, wenn er das Opfer kannte.<br />
Zur Sicherheit nahm er zwei Aspirintabletten. Dann war es Zeit, sich in Position zu begeben. Er postierte sich hinter einem Fenster mit eingeschlagener Scheibe. Von hier aus bot sich ihm ein unverstellter Blick auf das weiträumige Gelände unter ihm: auf Zufahrtsstrasse, Tor, Auffahrt, Garten, Haustür. Er würde alle Zeit der Welt haben, um das Opfer ins Visier zu nehmen. Zwei schnell nacheinander abgegebene Schüsse und die Arbeit wäre getan.<br />
Unterdessen setzte die Wirkung der Medizin ein, der Druck in den Augen nahm ab, die Gegenstände in seiner Umgebung traten trotz Dämmerlicht gestochen scharf hervor. <br />
Noch ein Blick auf die Uhr. Er würde rechtzeitig für jenen tiefen guten Schlaf, der den Stunden vor Tagesanbruch vorbehalten war, wieder zu Hause sein.  <br />
<br />
2<br />
<br />
Wer ihn als Halbwüchsigen von 13 Jahren gekannt hatte, hätte ihn heute, kaum 15 Jahre später, nicht wiedererkannt. Das bubenhafte Aussehen hatte er sich zwar erhalten, aber die Gelassenheit, mit der er heute im Morgenmantel kurz das Haus verliess, um sich am Kiosk an der Ecke die druckfrische Zeitung zu holen, und die Selbstgewissheit, mit der er bei einem ausgiebigen Frühstück das Blatt überflog und sie schliesslich wendete, um seine Aufmerksamkeit ganz der letzten Seite zu widmen, standen in zu krassem Gegensatz zu jenem Jungen, den die Fahrradklingel des herannahenden Zeitungsjungen in panische Angst versetzt hatte.<br />
Der Junge hätte die Zeitung ja nicht lesen, er hätte – wenn der Vater sie neben sich auf den Tisch mit der letzten Seite nach oben legte – keinen Blick darauf werfen müssen. Aber die Fotografien der Mordopfer vergangener Nacht in Schwarzweiss zogen seinen Blick magisch an. Der Anziehungskraft lebloser Köpfe in Nahaufnahme hatte er nichts entgegenzusetzen. So sehr ihr Anblick ihn auch schreckte, jeden Morgen sprangen seine Augen unweigerlich zu den Wattebällchen in den Nasenlöchern, zum ums Kinn gebundene Tuch, zu den halboffenen toten Augen, zum blutverschmierten Gesicht. Diese Bilder begleiteten ihn dann den ganzen Tag, gewannen an Kraft und Schrecken und nachts, wenn er sich schlafen legte, schoben sie sich in seine schweissnassen Träume. Weshalb bemerkte der Vater nichts vom Leiden seines Sohnes? Anzeichen gab es ja genug: das exzessive Zittern zum Beispiel, wenn sie auf dem Weg zur Schule zufällig an einem blutigen Unfall vorbeikamen oder ihr Weg in die Bank durch eine mit schwarzem Plastik bedeckte Leiche versperrt war. Der Grossvater, der einige Tage zu Besuch war, merkte schon beim ersten gemeinsamen Frühstück, was mit dem Jungen nicht stimmte.<br />
Der alte Mann nahm seinen Enkel mit in die städtische Leichenhalle. Wie zu erwarten übergab sich der Junge beim Anblick der ersten Leiche. Der Grossvater stützte den Jungen, wartete geduldig, bis das Würgen abebbte und der Magen sich beruhigte. Dann führte er ihn an eine Bahre, schlug das Tuch zurück und sagte: Die Toten schrecken uns nur, weil sie uns Menschen so ähnlich sehen. <br />
Jetzt glitt sein Blick ruhig über die Fotos auf der letzten Seite. Wenn er ein Gesicht erkannte, informierte er sich im Text darunter über den Stand der Ermittlungen. Mord im Affekt, Mord aus Eifersucht, Mord aus Neid. Wenn er solches las, wusste er, dass er – wieder einmal – gute Arbeit geleistet hatte.<br />
<br />
3<br />
<br />
Tote unter Toten. <br />
Wenn er während den Vorbereitungsarbeiten mit Menschen zu tun hatte, interagierte er nicht mit Lebewesen. Menschen waren Material. Es war Teil des Terrains, das er erkundete, er benötigte es, um Informationen über die Zielperson zu beschaffen oder benutzte es, um Spuren zu verwischen. Dummes, unwissendes Material. Wenn er am Lauf seiner Waffe entlang schaute und sein Opfer ins Visier nahm, sah er keinen Menschen. Was da als nichts ahnende Animation hinter dem Fadenkreuz aufschien, war schon tot, noch bevor er einen Schuss abgab. Ein bewegtes Ziel, nicht mehr. <br />
Das Schlüsselerlebnis dazu: Er sass im Auto, ein heftiger Regen fiel und verwandelte die Strasse in einen schlammigen Fluss. Ohne Lust, klatschnass nach Hause zu kommen, wartete er darauf, dass der Regen etwas nachliess, um dann die wenigen Schritte in den Supermarkt hinüber zu eilen und einige Besorgungen für seine Frau zu machen. Plötzlich stolperten zwei Männer aus einer nahen Bar. Auf dem rutschigen Untergrund fanden die Betrunkenen kaum Halt, immer wieder verloren sie das Gleichgewicht. Es dauerte eine Weile, bis dem Zuschauer im Auto klar wurde, dass die beiden Männer miteinander kämpften. Durch den dichten Regenschleier hindurch waren die Messer kaum zu erkennen. Leicht befremdet schaute er dem traurigen Spektakel zu, das immer mehr Menschen an Fenster und Türen der umliegenden Gebäude lockte. So unbeholfen die beiden den gegenseitigen Angriffen ausweichen, bringen die sich noch um, dachte er. Vielleicht lag es am Regen, am lauten Prasseln der Regentropfen auf dem Autodach, das die Schreie und Rufe auf der Strasse übertönte, dass eine künstliche Distanz zwischen dem Zuschauer im Auto und den beiden Kämpfern entstand. Unaufgeregt beobachtete er den Kampf, lehnte sich im Sitz zurück und schaute gelassen zu, wie ein Toter mit einem Toten rang. <br />
Von diesem Tag an erledigte er seine Arbeit mit jener kühlen Abgeklärtheit, die ihm bald den Respekt seiner Kollegen einbrachte. Er wandelte unter Toten, kümmerte sich herzlich wenig um das Blut, das er vergoss, und liess die Toten ihre Toten begraben.<br />
Natürlich wusste er, dass auch er ein Toter unter Toten war, dass auch er sich nur vorübergehend über die Erde erhob; dass dies auch für seine Frau und seine Tochter, die er über alles liebte, galt. Er küsste sie, hob sie auf den Arm, umarmte sie. Wenn er zuhause war, versuchte er, nicht an seine Arbeit zu denken.  <br />
<br />
4<br />
<br />
Den Schuss aus der Ferne: Diesen hatte er sich angewöhnt und zu seinem Markenzeichen gemacht. Dies, nachdem er – als Unbeteiligter – zwischen die Fronten zweier sich bekriegender Drogenbanden geraten war. Er hatte sich hinter den Verkaufstresen einer Bäckerei geworfen und das Ende des Schusswechsels abgewartet. Ein Querschläger traf einen weiteren Kunden und verletzte diesen schwer. Immer auf die eigene Sicherheit bedacht, hatte er sich um den Verletzten gekümmert und dabei war ihm der Geruch des Blutes in die Nase gestiegen. Wer Blut schon einmal gerochen hat, weiss, dass es stinkt. Vor allem an drückend schwülen Tagen ist der süssliche Geruch kaum zu ertragen. Wer schon mal in den Tropen war, kennt diesen speziellen Duft. Er ist überall. Die üppige Natur fault und spriesst aus ihrer Fäulnis. An faulendes Fleisch: Genau daran hatte ihn der Blutgeruch erinnert. An zwei Tage altes, ungekühltes Fleisch vom Metzger um die Ecke. Als trüge Blut die Keime eigener Fäulnis bereits in sich.<br />
Seither ging er dem Tod aus dem Weg und mied die Nähe seiner Opfer. <br />
Der Schuss aus der Ferne galt als unehrenhaft. Was ein echter Mann war, stellte sich seinem Feind von Angesicht zu Angesicht. Aber was kümmerte ihn das? Er kannte seine Opfer nicht, sie kannten ihn nicht, niemand – ausser einigen wenigen, die ein berechtigtes Interesse an seinem Handwerk hatten – wusste, dass er derjenige mit dem feigen Finger am Abzug war.<br />
<br />
Aber jetzt sah er sich plötzlich mit einer gänzlich anderen Situation konfrontiert. Der Liebhaber seiner Frau hatte ihn zum Gespött der ganzen Stadt gemacht, man lachte über ihn und verhöhnte seinen Namen. Es gab nur einen Weg, seine Ehre wieder herzustellen. Vor ihm auf dem Schreibtisch lag die sorgfältig gearbeitete und verzierte Schatulle. Darin, auf rotem Samt, die beiden Dolche. <br />
Der wöchentliche Markt war in vollem Gang, die halbe Stadt traf sich da zwischen Gewürz- und Gemüseständen und zerriss sich das Maul über ihn. Bald würde er sein Haus verlassen und die Menschenmenge würde sich zu einer Gasse öffnen, an deren Ende jener wartete, dem er die ihm bevorstehende Drecksarbeit verdankte. Dass er ihn gehörnt hatte, konnte er ihm verzeihen. Wozu er ihn dadurch zwang, jedoch nicht.<br />
Nur widerwillig hob er eines der Messer heraus und fuhr mit dem Finger über die polierte Klinge. <br />
<br />
<br />
0<br />
<br />
Der Tod ist etwas Schreckliches. Darüber waren wir uns schnell einig. <br />
Dann sprachen wir über unsere Träume. Nicht ein einziges Mal fiel das Wort Unsterblichkeit. Nur zögernd rückte ich mit der Wahrheit heraus. <br />
"Manchmal träume ich davon, Auftragskiller zu sein."<br />
"Ein Kinoheld?"<br />
"Wie ein Kinoheld. Aber nicht auf der Leinwand. Sondern wirklich. Wenn ich nachts nicht schlafen kann", sagte ich, "stelle ich mich vor, wie ich eine Jugendliebe aus den Fängen der Mafia befreie. Oder den verhassten Kollegen aus dem Büro über den Haufen schiesse. Gelegentlich kommt es vor, dass meine Phantasien in regelrechten Gewaltorgien enden."<br />
"Solche Gedankenspiele haben einen beruhigenden Effekt auf den ruhelosen Geist", meinte er zustimmend. Er liess das Magazin aus dem Pistolengriff springen, schob es wieder hinein.<br />
"Weshalb eigentlich?"<br />
"Was weiss ich."<br />
"Wenn ich von einer Karriere als Killer träume – ich meine, was mich an diesem Beruf wirklich lockt", versuchte ich ihm zu erklären, "ist die Fähigkeit des Killers, das Opfer mit ruhiger Hand ins Visier zu nehmen und ohne zu zögern abzudrücken. Als liesse der Tod ihn unberührt."<br />
"Als ob die Fähigkeit, sich vom Tod unbeeindruckt zu zeigen, auch das Leben erträglicher machte, ja. Wenn mich das Schicksal des anderen nicht bewegt", – so drückte er es aus – "bewegt mich auch mein eigenes nicht." <br />
"Das wird es sein", nickte ich.<br />
Nachdenklich schüttelte er den Kopf. "Haben Sie je davon geträumt, nicht der Killer, sondern das Opfer zu sein?" fragte er, hob die Pistole an meinen Kopf und drückte den Lauf der Waffe ruhig aber bestimmt gegen meine Stirn. Dann lachte er.<br />
 
      ]]></content>
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      <title>Volker Frick, tian</title>
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      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.58</id>
      <published>2007-07-06T03:11:00Z</published>
      <updated>2007-07-07T12:49:37Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <div align="left">der tod ist besser – tritt auf<br />
die jungen reben, die du<br />
vor die füsse warfst mir<br />
<i>als der druck des fingers des chirurgen unter der brust<br />
auf ihre scherzhafte frage hin, der ihr bezeichnete, wo</i><br />
sie am ufer unter weidenbüschen, an einem ort,<br />
am fluss, und das tuch mit steinen<br />
um den hals auf der landzunge<br />
ihren leichnam liegen sah, wo sie den dolch<br />
und überall erzählt man sich die geschichte<br />
vom roten kleid, das aufgeschnürt<br />
vom dolch mit silbernem knauf<br />
wo sie ihn ansetzen muss<br />
<br />
das weisse kleid so fliessend rot<br />
dicht unter der schönen brust die breite wunde<br />
einer enttäuschten liebe auf dem friedhof zu winkel<br />
neidete sie die vereinigung den flüssen<br />
und trug ihn bei sich immer<br />
lerne mit schmerzen denken<br />
– als so zu leben<br />
<br />
<b><br />
ekdysis</b><br />
<br />
<i>from larva to pupa, from pupa to imago</i><br />
<br />
in früher jugend talentierte schwimmerin spricht ihr vater ein sadist<br />
sei gnadenlos zu deinem körper ertrage schmerzen still und weine nie<br />
die veterinärassistentin als kind nie gut genug missbraucht da eine frau<br />
hätte als mann einen perfekten körper nie schmerzhafte <br />
atembeschwerden<br />
<br />
ihre unterarme zerschneidet sie stranguliert sich bis sie schwarz sieht <br />
blitz<br />
lichter und sterne jubelndes publikum schreit riskantes verkehrsverhalten<br />
befehlen stimmen aderlaß da alles böse was sie je erfahren in ihrem blut<br />
<br />
schmerz selbstverbrennungen die nicht das ende ihrerselbst<br />
nur ihres körpers kopf transplantiert nach ihrem tod<br />
in einen starken schönen mann<br />
da leben die hölle wird tod himmel sein<br />
<br />
<br />
<b><br />
gottes löwin</b><br />
<br />
<i>she died for love and he for glory</i><br />
<br />
unter der adresse fitzroy road 123 schreibe ich briefe und gedichte<br />
über nachworte zerreissen andere sich die mäuler blutig <br />
dichtkunst erbaut dunkle häuser kauernd zwischen stufen in der ecke<br />
lidlose echse stöbert in kieselgerüchen kellergewölben knochenlos<br />
mit schneller zunge lächelt an auf schlamm gebettet der laib<br />
dick in seinem hefigen gehen ess ich an kein stöhnen angenabelt<br />
die finger der weisheit und vater schrumpft zu einer puppe<br />
sprühende drähte meiner haarwurzeln muß ich schlucken<br />
vor dem schoß aus marmor den mauern von leichen<br />
vor dem kniefall vor dem ofen sind die spiegel verdreckt<br />
trocken und leer mit der abwesenheit von lügen türen<br />
verstopft beide kinder mit bechern voller milch schwarze<br />
augen bekenntnisse brechen mir den mund auf<br />
ich verzichte auf die steife prozession zum grab<br />
aus der kalten asche eines frühen blauen morgens<br />
im februar ’63 in die griechische notwendigkeit</div><br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Editorial</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/editorial2/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.57</id>
      <published>2007-07-06T03:08:00Z</published>
      <updated>2007-07-11T02:45:58Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 4"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C10/"
        label="heft 4" />
      <content type="html"><![CDATA[
        Ein Besuch in Thomas Blasers Atelier in Bern inspirierte uns zum Thema dieser Ausgabe: Tracht und Niedertracht. Verkleidung und Hinterlist sind verbreitete Motive in der Literatur und bieten ein Tummelfeld für die literarische Phantasie. <br />
<br />
Ab dieser Ausgabe verstärkt Benjamin Stein die Redaktion von „Spatien“. Infos zu seiner Person finden Sie unter den Kurzbios am Ende des Heftes. Literarisch stellt er sich mit einer Reihe von Gedichten vor. <br />
Die personelle Verstärkung hat uns aninmiert, einmal das gesamte Herausgeber-Team auch literarisch zu präsentieren. So finden Sie in diesem Heft auch einen Text von Markus A. Hediger. Die literarischen Beiträge der Redaktion werden komplettiert von Hartmut Abenscheins Sonettenkranz "Mein letzter Kranz". Nach Ansicht von Benjamin Stein und Markus A. Hediger hat dieser Gedichtzyklus absolutes Kultpotential! <br />
<br />
Doch nun genug der Interna. Wir sind überzeugt, dass wir für Sie auch diesmal ein attraktives Heft mit ausgezeichneten Texten verschiedenster Autoren unterschiedlichster Stile zusammenstellen konnten. Wir wünschen Ihnen wie immer viel Vergnügen bei der Lektüre und hoffen, dass auch Sie im einen oder anderen Beitragenden eine neue Perle entdecken!<br />
<br />
Hartmut Abendschein<br />
Markus A. Hediger<br />
Benjamin Stein<br />
 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>BILDER ZU DIESEM HEFT</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/bilder_zu_diesem_heft3/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.56</id>
      <published>2007-01-04T09:22:00Z</published>
      <updated>2007-01-04T09:33:43Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 3"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C9/"
        label="heft 3" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>von <a href="http://www.rittiner-gomez.ch">Rittiner &amp; Gomez</a>
<br />
<br>
</p>
<p>
<center>
</p>
<p>
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/ritt1.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br />
<br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/ritt2.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br />
<br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/ritt6.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br />
<br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/ritt4.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br />
<br />
<img src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/ritt5.gif" border="0" alt="image" name="image" style="border: 1px solid black;"/><br />
<br />
</center>
</p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>zu den autorinnen und autoren</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.spatien.net/index.php/site/zu_den_autorinnen_und_autoren1/" />
      <id>tag:spatien.net,2007:index.php/site/index/1.55</id>
      <published>2007-01-04T08:53:00Z</published>
      <updated>2007-01-09T20:12:47Z</updated>
      <author>
            <name>spatien</name>
            <email>redaktion@spatien.net</email>
                  </author>

      <category term="heft 3"
        scheme="http://www.spatien.net/index.php/site/C9/"
        label="heft 3" />
      <content type="html"><![CDATA[
        informationen zu den autorInnen im <a href="http://www.spatien.net/images/uploads/spatien3.pdf" target="_blank" onClick="javascript:urchinTracker ('/downloads/heft3'); "><b>pdf</b></a> <image src="http://www.skypaperpress.com/spatien/images/uploads/acrobat.gif"><br><br> 
      ]]></content>
    </entry>


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